Ehemals Partenheim · Pfarrkirche

 
Standort
Partenheim
Anzahl Fenster
1
Anzahl Scheiben
29
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Katalogdaten

Vorbemerkung

Die idyllisch im alten Ortskern von Partenheim gelegene frühere Pfarrkirche St. Peter hat ihre um die Mitte und im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts entstandene Farbverglasung vollständig verloren und ist heute mit einer Verglasung der Werkstatt Benz & Rast aus dem frühen 20. Jahrhundert ausgestattet1. Die mittelalterlichen Reste gelangten nach vorausgegangenen Streitigkeiten mit Hans Carl Freiherr von Zwierlein um 1819/20 in den Besitz des Großherzoglichen Museums in Darmstadt, von wo aus einige Scheiben und Fragmente offenbar weiter verstreut worden sind. Glasmalereien mit gesicherter Herkunft aus Partenheim lassen sich jedoch nur in Darmstadt nachweisen:
Der Kernbestand mit ca. 30 Glasmalereien – eine exakte Zahl lässt sich aufgrund der komplizierten Überlieferungssituation nicht nennen – besteht aus 26 Rechteckscheiben (Szenen aus dem Leben Christi und Mariä, Darstellungen von Heiligen, Wappen und Stiftern), ferner einer Kopfscheibe und sechs Fragmenten, wovon bei 29 Scheiben und Fragmenten die Herkunft aus Partenheim als gesichert angesehen werden kann (Textabb. 21, Fig. 361–365, 367f., Abb. 240–266), während sie bei dem verbleibenden, hier im Anhang behandelten Rest – einschließlich der Scheiben in Sigmaringen, Leobendorf (Niederösterreich), Burg Kreuzenstein, und Caen (Dép. Calvados) – entweder nicht gesichert oder fraglich ist (s. S. 430–432, Fig. 400–402).

Geschichte des Baues und seiner Verglasung

Etwa 20 Kilometer südwestlich von Mainz gelegen, besaß Partenheim vermutlich lange Zeit vor seiner ersten, um 1189/90 zu datierenden schriftlichen Erwähnung als Pfarrei eine Kirche; sie gehörte dem Erzbistum Trier, das Patronat befand sich im ausgehenden 12. Jahrhundert als Lehen im Besitz des Reichsministerialen Werner (II.) von Bolanden, der zudem Pfandinhaber des Hofs des Trierer Erzbischofs Johann I. war und die Vogtei Partenheim als Afterlehen von den Grafen von Blieskastel innehatte3. Geistlicher Oberherr dieses dem Hl. Petrus geweihten Kirchenbaues war indes der Propst des Stifts St. Maria in campis bzw. Hl. Kreuz bei Mainz, in dessen Archidiakonat Partenheim als Hauptort des Landkapitels lag4.

Bibliographie

Müller, 21832, I, S. 17f., Nr. IV (Erbauung der Kirche erste Hälfte 15. Jh.; die Glasmalereien in den Fenstern waren »vor einigen Jahren so zerstört […], dass man an eine zweckmässige Restauration derselben nicht mehr denken konnte«, weshalb sie nach Darmstadt verbracht wurden, »wo die noch am besten erhaltenen Abtheilungen in neues Blei gefasst im Grossherzoglichen Museum aufgestellt sind«; erschließt aus den »Bildnissen so vieler knieenden Ritter mit ihren Frauen nebst den darunter befindlichen Wappen […], welche mit Figuren von Heiligen und Darstellungen aus der heiligen Geschichte untermischt sind«, die Beteiligung des Landadels am Kirchenbau; kurze Charakterisierung und Wertung des Bestandes; Abbildung von Nr. 167f.); Walther (1842), S. 107 (s. Walther 1844); Walther 1844, S. 102 (folgt Müller, 21837; erwähnt ferner Flickungen »mit mattem, weissem Glase«); Franck 1866, S. 232f., Anm. *) (erwägt eine Identifizierung der Wappenscheibe Nr. 163 als »Gottsmann von Ingelheim«); Friedrich Schneider, Die Kirche zu Partenheim in Rheinhessen, in: Correspondenzblatt des Gesammtvereines der deutschen Geschichts- & Alterthumsvereine 21, 1873, S. 78–80, hier S. 79 (führt die nach Darmstadt abgewanderten Glasmalereien in Verbindung mit einer Beschreibung der Farbigkeit der »mehr in kalten Tönen gehaltene[n] Wand-Gewölbe-Decoration« an); Roth 1895, S. 302f. (Schilderung der Umstände, unter denen die auch von Hans Carl Frhr. von Zwierlein begehrten Glasmalereien nach Darmstadt gelangten); Brilmayer 1905, S. 382 (Erwähnung); Kat. Darmstadt 1908, S. 42, 46 (Aufzählung der in Darmstadt ausgestellten, mit Partenheim verbundenen Scheiben mit Charakterisierung ihrer technischen und stilistischen Merkmale); Back 1910, S. 64f. und Taf. LXf. (Überblick über die Glasmalereien aus Partenheim, die erstmals in einen stilistischen Zusammenhang mit dem Ortenberger Altar gestellt werden); Friedrich Back, Die mittelrheinische Kunst im 14. und 15. Jahrhundert, in: Jb. des Freien Deutschen Hochstifts 1912, S. 103–121, hier S. 116 (Lokalisierung nach Mainz in die Nachfolge des Meisters des Ortenberger Altars, Würdigung als Zeugnis einer »Übergangsstufe von der älteren zu der jüngeren Epoche« der mittelrheinischen Malerei); Schmitz 1913, I, S. 43f., 94, 95, 115 (führt die Glasmalereien im Sinn von Back 1912 als Beispiel für einen Stilwechsel in der mittelrheinischen Kunst im zweiten Viertel des 15. Jh. an); F(erdinand) W. E. Roth, Die Partenheimer Glasmalereien im Darmstädter Museum, in: Darmstädter Zeitung vom 11. Jan. 1913, Wochenbeilage Nr. 2, S. 6f. (ausführliche, auf Roth 1895 aufbauende Schilderung der Entfernung der Glasmalereien aus der Kirche um 1819/20); W(ilhelm) Hoffmann, Noch einmal die Partenheimer Glasmalereien, in: Darmstädter Zeitung vom 1. März 1913, Wochenbeilage Nr. 9, S. 36 (Korrekturen und Nachträge zu Roth 1913); Burger/Schmitz/Beth, II,1, 1917, S. 350 (Erwähnung der Glasmalereien im Zusammenhang mit dem Ortenberger Retabel); Kat. Darmstadt 1923, S. 10f. (Aufzählung von 23 Scheiben); Oidtmann 1929, S. 379 (die Glasmalereien erinnern »durch die Bevorzugung des ›Weiß‹ an die Farbenstimmung rheinischer Glasgemälde«); Diehl 1932, S. 759 (Erwähnung einer Wiederherstellung der Kirche im Jahr 1810, bei der »die Kirche ihrer wertvollen Glasmalereien beraubt ward«); AK Darmstadt 1935, S. 19–23, Nr. 82–105 (Ausstellung von 24 Scheiben aus Partenheim mit Zuschreibung an die Werkstatt des Meisters des Ortenberger Altars); Merten 1935, S. 31 (Erwähnung von 26 Scheiben); Güse 1943, S. 189–191 (sieht in den Glasmalereien eine Fortsetzung des Stils der Wandmalereien in der Kapelle der Burg zu Zwingenberg a. N.); AK München 1947, S. 18f., 21, Nr. 111–126, 139f. (Ausstellung von insgesamt 18 Scheiben aus Partenheim, »Nachfolge des Meisters des Ortenberger Altars«); T/B, XXXVII, 1950, S. 255 (Zuschreibung der Glasmalereien an die Werkstatt des Meisters des Ortenberger Altars); Wentzel 1951, S. 52, bzw. 21954, S. 53 (bezeichnet die Partenheimer Glasmalereien als »Zeitgenossen des Ortenberger Altars, diesem in der Milde der Farbtöne und in den schwerelosen Figuren verwandt«); Bornheim gen. Schilling 1956, S. 3 (Erwähnung); Beeh-Lustenberger 1967, Abb. 106–127, 137 (Abbildungen der gesicherten 23 Scheiben »Aus der Pfarrkirche zu Partenheim/Rheinhessen« mit Datierung um 1440 bzw. um 1460); Wentzel 1968, S. 106, 108 (identifiziert in einer Scheibe aus Saulgau auf Schloss Sigmaringen ein großes Flickstück mit einer weiblichen Stifterfigur aus Partenheim); Hayward 1969, S. 107 (erkennt den Stil einer Scheibengruppe aus der ehem. Karmeliter-Klosterkirche Boppard in den Glasmalereien aus Partenheim wieder); Wentzel 1969, S. 177f. mit Abb. 1 (verweist im Zusammenhang mit der Einordnung der Ölberg-Scheibe aus Boppard [Glasgow, The Burrell Collection] auf deren Verwandtschaft mit den Glasmalereien aus Partenheim; zu Letzteren rechnet er außerdem eine Stifterscheibe auf Burg Kreuzenstein/Nieder-österreich); Dölling 1971, S. 10, 12 (Erwähnung); Beeh-Lustenberger 1973, S. 130–147, 162f., Nr. 180–205, 221, ferner S. 148–151, 164f., Nr. 206–211, 222f., und S. 316, Nr. B 10f., dazu Taf. 15f. (grundlegende Bearbeitung der nach Darmstadt gelangten Scheiben, Fragmente und Scherben, für die eine Herkunft aus der Pfarrkirche in Partenheim gesichert ist resp. vermutet werden kann: Konziser Überblick über die Bau- und Verglasungsgeschichte, Überlegungen zur Rekonstruktion und Einordnung des Bestandes in ein weitreichendes stilistisches Beziehungsgeflecht zwischen Ober- und Mittelrhein und Köln); Glatz 1977, S. 130f. (kurzer, an Beeh-Lustenberger 1973 orientierter Überblick über den Scheibenbestand); Glatz 1981, S. 153f. (Erwähnung der Glasmalereien im Kontext der Wand- und Tafelmalerei-Ausstattung der Kirche); Becksmann 1986, S. 202f. (Katalogeintrag zur Sigmaringer Scheibe mit der Figur einer Stifterin und weiteren Fragmenten aus Partenheim); Szilárd Sütt ó´ /Pál Engel, Beiträge zur Herkunft und zur Tätigkeit der Familie von Alben in Ungarn, in: Südost-Forschungen 54, 1995, S. 23–48, hier S. 46 (Erwähnung der Scheibe mit dem angeblichen Wappen der Familie von Alben gen. Sulzbach [Nr. 162]); Rauch 1997, S. 60 (Erwähnung der Wappenscheiben aus Partenheim; weist auf die Verwandtschaft des Wappens in Nr. 169 mit dem Wappen der aus Oppenheim stammenden Scheibe in Darmstadt, HLM, Nr. 106 [Fig. 345, Abb. 238], hin und weist dessen von Beeh-Lustenberger 1973, S. 143 [Nr. 201] vertretene Identifizierung als Wappen der Herren von Bobenhausen zurück); Hess 1999, bes. S. 55f. (Hervorhebung der wegweisenden Rolle der Farbverglasung von St. Leonhard in Frankfurt/M. für jüngere Glasmalereien am Mittelrhein, insbesondere den Bestand aus Partenheim); Schäfer 2000, S. 75 (konstatiert in »Technik und Stilistik des Ortenberger Altars […] eine Affinität zur Glasmalerei« und weist dabei auf Backs Einordnung der Partenheimer Scheiben hin); Gatouillat 2001, S. 130, 132f. (Publikation zweier Scheiben deutscher, d.h. mittelrheinischer Herkunft in Caen, deren Herkunft aus Partenheim diskutiert wird); Raguin/Zakin/Pastan 2001, I, S. 175 (Erwähnung der Partenheimer Scheiben, besonders der Heimsuchung [Nr. 151], im Zusammenhang mit der stilistischen Einordnung der Scheibe mit den drei Marien aus Boppard [Detroit Institute of Arts]); Gast 2004, S. 206, 208, 210 (Erwähnung mit Datierung um 1440/50, Hinweis auf »Hervorgehen der Partenheimer Scheiben aus einem regionalen Stilidiom«); Martine Callias Bey, in: CV France, Recensement VIII, 2006, S. 81f. (Zusammenfassung von Gatouillat 2001); Parello 2008, S. 486 (Erwähnung)2.

Nachweise

Fußnoten

  1. Laut Diehl 1932, S. 760, wurde die Kirche in den Jahren 1900 und 1906 mit insgesamt zehn Fenstern ausgestattet, womit sie vollständig neu verglast worden war. Hiervon sind folgende Darstellungen erhalten: Anbetung des Kindes (Chor I, 1906), Gleichnis nach Mt 13,4 (Chor n II, 1906), Eine feste Burg / ist unser Gott (Chor s II, 1906). Ferner ist das Maßwerk in allen fünf Chorfenstern mit figürlichen und floralen Motiven versehen (1906).
  2. Die ältesten Lehnsbücher der Herrschaft Bolanden, hrsg. von (Wilhelm) Sauer, Wiesbaden 1882, S. 21, 25. Vgl. hierzu Albrecht Eckhardt, Das älteste Bolander Lehnbuch. Versuch einer Neudatierung, in: Archiv für Diplomatik, Schriftgeschichte, Siegel- und Wappenkunde 22, 1976, S. 317–344. Zur Orts-, Besitz- und Kirchengeschichte s. Brilmayer 1905, S. 381f., Böhn 1958, S. 182–184, und ergänzend Andreas Reichard (u.a.), Art. »Partenheim«, in: Pfälzisches Burgenlexikon, 4.1: O – Sp, hrsg. von Jürgen Keddigkeit, Ulrich Burkhart und Rolf Übel (Beiträge zur pfälzischen Geschichte 12.4.1), Kaiserslautern 2007, S. 102–111, bes. S. 103–106.
  3. Wilhelm Fabricius, Beiträge zur kirchengeschichtlichen Geographie von Hessen. § 8. Archidiakonat St. Maria im Feld, Landkapitel Partenheim, in: AHG NF 11/1, 1915, S. 81–100, hier S. 94; Soteres R. Schürmann OSB, Das Stift St. Maria in campis oder Hl. Kreuz bei Mainz. Geschichte, Verfassung, Besitz, Phil. Diss. Mainz 1968, S. 53–57.
  4. Nicht mehr zur Kenntnis genommen werden konnte die jüngst abgeschlossene Dissertation von Gepa Datz, Die Partenheimer Scheiben: Studien zur mittelrheinischen Glasmalerei des 15. Jahrhunderts, Phil. Diss. Mainz 2010.

Drucknachweis

Die mittelalterlichen Glasmalereien in Oppenheim, Rhein- und Südhessen / Uwe Gast unter Mitwirkung von Ivo Rauch (Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland Bd. III, 1), Berlin 2011

Nachnutzung

Rechtehinweise

Katalogdaten: Corpus Vitrearum Deutschland / Freiburg i. Br.
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Ehemals Partenheim · Pfarrkirche“, in: Mittelalterliche Glasmalereien in Hessen <https://lagis.hessen.de/de/quellen-und-materialien/mittelalterliche-glasmalereien-in-hessen/alle-objekte/135-1_ehemals-partenheim-pfarrkirche> (aufgerufen am 16.06.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/cvmahessen/135-1

Partenheim, Pfarrkirche. Blick aus dem Südschiff auf die Langhaus-Nordwand und in den ChorFragment einer Stifterin aus Partenheim (?). Sigmaringen, Schloss. Mittelrhein (Mainz?), um 1440/50Stifterfiguren aus Partenheim(?). Leobendorf, Burg Kreuzenstein. Mittelrhein (Mainz?), um 1440/50Heiligenkopf aus Partenheim (Kriegsverlust). Ehemals Darmstadt, HLM. Mittelrhein (Mainz?), um 1440/50Figurengruppe aus einer unbekannten Szene. Ehemals Partenheim, Pfarrkirche (?). Caen, Chapelle du Petit séminaire. Mittelrhein (Mainz?), um 1440/50