Ehemals Mainz, Stiftskirche St.Mauritius

 
Standort
Mainz
Anzahl Fenster
1
Anzahl Scheiben
1
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Katalogdaten

Beschreibung

Einem von Georg Chr. Joannis überlieferten Nekrolog zufolge von Erzbischof Liutbert (863–889) gegründet, wurde die Kirche St. Mauritius62 unter Liutberts Nachfolger Hatto (891–913) vollendet und ausgeschmückt, was durch die Inschrift auf einem steinernen, zum ursprünglichen Bau gehörenden Fensterrahmen belegt ist (vgl. Kunstgeschichtliche Einleitung S. 51f., Textabb. 6). Dieser spätkarolingische Bau – vermutlich eine Saalkirche – wurde im 11. Jh. erweitert und im 13./14. Jh. nochmals umgebaut, bevor es im 18. Jh., im Zuge einer Barockisierung(?), zur Beseitigung der damals noch vorhandenen Glasgemälde kam. Nach der Aufhebung des erstmals 1120 nachweisbaren Stifts, das südöstlich von Dom und Liebfrauenkirche lag, war die Kirche dem Verfall anheimgegeben und ging in der sie umgebenden Bebauung auf.
Von ihrem bis 1726 erhaltenen Fensterschmuck ist nur bekannt, dass es außer »uralte[n] Glasmahlereyen« ein Farbfenster
(»fenestra colorata«) gab, das an den 1497 während einer Pilgerreise im Heiligen Land verstorbenen Kanoniker Antonius Drap erinnerte. Es trug nach Gudenus folgende Inschrift: Anno 1497 (Obiit) Venerabilis D(omi)n(u)s ANTONIVS Drap de Ingelnheim, Sacre Theol(ogiae) Licent(iatus) Canonicus […] S. Mauritii, in Terra sancta, sepultus in Rama.
In Ingelheim geboren, hatte Drap an der theologischen Fakultät in Erfurt studiert (1469), seit 1488 unterrichtete er Theologie an der jungen Universität in Mainz. Wohl aufgrund seiner Herkunft hatte er als Kanoniker des Stiftes St. Mauritius dort das festum s(an)cti Caroli imperatoris eingeführt, das 1534 in den Dom übertragen wurde63.

Bibliographie

Valentin F. Gudenus, Codex diplomaticus [...], III, Frankfurt/M./Leipzig 1751, S. 965, Nr. 20 (überliefert ein zu Ehren des 1497 verstorbenen Kanonikers Antonius Drap gestiftetes Farbfenster und dessen Entfernung im Jahr 1726); Arens 1958, S. [57] und S. 492f., Nr. 1000 (Zusammenstellung aller Erwähnungen von Glasmalereien und Auswertung der Inschrift von 1497).

Nachweise

Fußnoten

  1. Joannis 1722, S. 75, 413. Zur Geschichte des Baues vgl. Arens 1958, S. [57] (mit weiterer Literatur), Falck 1972, S. 32f., 44f., und Staab 2000, S. 175, 182f. Zur Baugestalt s. Fritz Arens, Die Mauerreste der St. Mauritiuskirche in Mainz, in: MZ 52, 1957, S. 19–24, und Horst Reber, Zur Baugeschichte der St. Mauritiuskirche in Mainz, ebd., S. 25–27, zusammenfassend Friedrich Oswald, in: Vorromanische Kirchenbauten, I, 1966–1971, S. 198
  2. Das Festum s. Karoli Magni im St. Mauritiusstifte zu Mainz, in: Geschichtsbll. für die mittelrheinischen Bisthümer 2, 1884/85, Sp. 259f.; Matthias Zender, Die Verehrung des hl. Karl im Gebiet des mittelalterlichen Reiches, in: Karl der Große. Lebenswerk und Nachleben, IV: Das Nachleben, hrsg. von Wolfgang Braunfels und Percy E. Schramm, Düsseldorf 1967, S. 100–112, hier S. 109, Nr. 55.

Drucknachweis

Die mittelalterlichen Glasmalereien in Oppenheim, Rhein- und Südhessen / Uwe Gast unter Mitwirkung von Ivo Rauch (Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland Bd. III, 1), Berlin 2011

Nachnutzung

Rechtehinweise

Katalogdaten: Corpus Vitrearum Deutschland / Freiburg i. Br.

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Ehemals Mainz, Stiftskirche St.Mauritius“, in: Mittelalterliche Glasmalereien in Hessen <https://lagis.hessen.de/de/quellen-und-materialien/mittelalterliche-glasmalereien-in-hessen/alle-objekte/132-8_ehemals-mainz-stiftskirche-st-mauritius> (aufgerufen am 17.06.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/cvmahessen/132-8