Ehemals Mainz, Dominikaner-Klosterkirche

 
Standort
Mainz
Anzahl Fenster
1
Anzahl Scheiben
1
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Katalogdaten

Beschreibung

Nachdem die Dominikaner sich erst spät, nämlich 1256 in Mainz niedergelassen hatten, wurde Erzbischof Gerhard I. am 14. Nov. 1257 von Papst Alexander IV. mit der Grundsteinlegung zum Bau der Klosterkirche beauftragt; eine Vielzahl von Ablassbriefen (1259, 1269–1289) und zwei Erweiterungen des Grundstücks (1270, 1275) deuten darauf hin, dass das Kloster und seine Kirche zügig erbaut wurden und möglicherweise einige Zeit vor 1314, als in Mainz erstmals ein Provinzkapitel stattfand, vollendet waren52. Der einst äußerst imposante, nordwestlich des Domes gelegene Bau mit einem dreischiffigen, kurzen fünfjochigen Langhaus und einem siebenjochigen, auf der Südseite von einem Seitenschiff begleiteten Langchor mit 5/8-Schluss wurde im Juli 1793 bei der Belagerung von Mainz so schwer zerstört, dass er 1806 bzw. 1837–1839 bis auf die Fundamente abgetragen und das Areal überbaut wurde.
Über die Ausstattung des Baues mit gemalten Fenstern ist nahezu nichts bekannt. Überliefert – dies allerdings ohne jeglichen Nachweis der Quelle! – sind lediglich die Wappen des Mainzer Patriziers, Schultheißen von Oppenheim und Reichsamtmanns Heinrich II. zum Jungen († 1398)53 und dessen Frau Else Knebel von Katzenelnbogen († 1407); sie befanden sich beim Hl.-Kreuz-Altar im Südseitenschiff, d.h. ganz in der Nähe jener berühmten ymago beatae Virginis sculpa de Praga, einer Schönen Madonna, die das Ehepaar gestiftet hatte54. Während dessen Grab sich im Chor der Kirche befand, waren im Bereich der Skulptur und der Wappen in den Fenstern andere Angehörige des Geschlechts Zum Jungen begraben, sodass die Scheiben, deren Entstehungszeit unbekannt ist, zu einer Genealogie gehört haben könnten.

Bibliographie

Heinrich Schrohe, Das Mainzer Geschlecht zum Jungen in Diensten des deutschen Königtums und der Stadt Mainz (1353–1437) (Beiträge zur Geschichte der Stadt Mainz 10), Mainz 1933, S. 103f. (Wappen Heinrichs II. zum Jungen und dessen Frau Else Knebel von Katzenelnbogen »in den Fenstern des Altares zur rechten Seite, an dem Kreuzaltar«); Arens 1958, S. 418 (Nr. 794) (Erwähnung); Isnard W. Frank, Das Totenbuch des Mainzer Dominikanerklosters. Kommentar und Edition (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Dominikanerordens NF 3), Berlin 1993, S. 30, Anm. 102 (»Doppelwappen in einem Fenster beim Kreuzaltar […] im südlichen Seitenschiff«).

Nachweise

Fußnoten

  1. Grundlegend – mit Auflistung der älteren Literatur – Arens 1961, bes. S. 182–186 mit Abb. 119–122. Arens vermutet, dass »die Kirche zwischen 1275 und 1314 errichtet wurde«. Siehe ergänzend: Berger 1994, S. 107, Nr. 5 (Zusammenfassung der Baudaten); Klaus-Bernward Springer/Thomas Berger, Geschichte des Mainzer Dominikanerklosters, in: MZ 90/91, 1995/96, S. 59–87, bes. S. 62f.; Kita 2008, S. 72–74 (Zusammenfassung des Forschungsstandes).
  2. Schrohe 1933 (s. Bibl.), bes. S. 22–24; Heidrun Kreutzer, Auf dem Weg vom Patriziat zum Niederadel – die Familie zum Jungen und ihre Beziehungen zu den Königen im 14. Jahrhundert, in: Bausteine zur Mainzer Stadtgeschichte, hrsg. von Michael Matheus (Ge-schichtliche Landeskunde 55), Stuttgart 2002, S. 47–69, hier S. 55–57.
  3. Vgl. Frank 1993 (s. Bibl.), S. 30 mit Anm. 102. – Als wichtige Quelle für den Export von Prager Skulpturen des Internationalen Stils wird der zitierte Eintrag im Nekrolog des Mainzer Dominikanerklosters immer wieder erwähnt, worauf hier nicht weiter eingegangen werden kann. Vgl. zuletzt Jirí Fajt/Markus Hörsch, Zwischen Prag und Luxemburg – eine Landbrücke in den Westen, in: Karl IV. Kaiser von Gottes Gnaden. Kunst und Repräsentation des Hauses Luxemburg 1310–1437, hrsg. von Jirí Fajt, München/Berlin 2006, S. 357–383, hier S. 374.

Drucknachweis

Die mittelalterlichen Glasmalereien in Oppenheim, Rhein- und Südhessen / Uwe Gast unter Mitwirkung von Ivo Rauch (Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland Bd. III, 1), Berlin 2011

Nachnutzung

Rechtehinweise

Katalogdaten: Corpus Vitrearum Deutschland / Freiburg i. Br.

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Ehemals Mainz, Dominikaner-Klosterkirche“, in: Mittelalterliche Glasmalereien in Hessen <https://lagis.hessen.de/de/quellen-und-materialien/mittelalterliche-glasmalereien-in-hessen/alle-objekte/132-6_ehemals-mainz-dominikaner-klosterkirche> (aufgerufen am 16.06.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/cvmahessen/132-6