Hl. Sebald (Erbach, Schloss)

Hl. Sebald. Erbach, Schloss, Nr. 38. Nürnberg (Hirsvogel-Werkstatt?), um 1505/10. – Kat. S. 128.
Katalog
Von Uwe Gast
Abmessungen
Monolith, Durchmesser 10,1 cm. – Rittersaal, Fenster VII, 1a.
Ort und Zeitpunkt des Erwerbs und der ursprüngliche Standort sind nicht überliefert; vgl. Nr. 28f.
Erhaltung
An den Schwarzlotkonturen vielfach kleinere Farbausbrüche; ansonsten guter Zustand.
Ikonografie, Komposition
Der Heilige in üblicher Darstellung, in Pilgertracht und mit dem Modell der ihm geweihten Stadtpfarrkirche St. Sebald zu Nürnberg. In hügeliger, von Bäumen und Sträuchern belebter, am hoch liegenden Horizont in ein Bergpanorama übergehender Landschaft stehend, den Pilgerstab schräg gestellt, zugleich das Kirchenmodell auf seinem linken Unterarm balancierend, erscheint Sebald hier in einer Fassung, die konzeptuell an jene Heiligendarstellungen einer Rundscheibenriss-Serie erinnert, die Friedrich Winkler Hans Süß von Kulmbach zugeschrieben hat, neuerdings aber überzeugend für den Nürnberger Glasmaler Hans Hirsvogel d.J. reklamiert wird68. Von dem in der Serie enthaltenen Entwurf zu einer Figur des Hl. Sebald und einer nach ihm um 1510/20 routiniert ausgeführten Rundscheibe69 weicht das Erbacher Stück allerdings ebenso deutlich ab, wie es sich gegenüber Werken wie Nr. 28f. in der Anlage von Figur und Landschaft als »fortschrittlicher« zu erkennen gibt.
Farbigkeit, Technik
Grisaillemalerei mit Silbergelb für Pilgerstab und Nimbus.
Stil, Datierung
Wie die Rundscheiben mit den Aposteln Thomas und Judas Thaddäus(?) (Nr. 28f.) dürfte auch die vorliegende Scheibe mit dem Hl. Sebald in Nürnberg in der Hirsvogel-Werkstatt entstanden sein. In der zeichnerischen Manier noch an jene ältere Richtung anknüpfend, weist die Körperhaftigkeit der Figur gleichwohl eher auf eine Entstehung nach 1500 hin, und hier wiederum am ehesten in die Umbruchphase zwischen älterem und jüngerem Werkstattstil um 1505/1070.
Bildnachweis
CVMA RT 510 (MF), Großdia RT 06/178
Weitere Angaben
Rundscheibe
✓
Nachweise
Fußnoten
- Winkler 1942, S. 93f., Nr. 120–129. Die Zuschreibung an Hans Hirsvogel d.J. durch Scholz 1991, S. 321, wurde jüngst von Butts 2006, S. 203, Nr. B 37, bestätigt. ↑
- Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Inv. Nr. Hz 37983; Die Handzeichnungen bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts (Kataloge des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg. Die deutschen Handzeichnungen 1), bearbeitet von Fritz Zink, Nürnberg 1968, S. 108, Nr. 85, zuletzt Butts 2006. Die erwähnte Scheibe ebd., Inv. Nr. MM 148; Essenwein 1898, S. 19. Siehe hierzu bes. Scholz 1991, S. 321 mit Anm. 714, und zuletzt Daniel Hess, in: AK Nürnberg 2000, S. 262f., Nr. 90. ↑
- Vgl. hierzu Scholz 1991, S. 191–205. ↑
Drucknachweis
Die mittelalterlichen Glasmalereien in Oppenheim, Rhein- und Südhessen / Uwe Gast unter Mitwirkung von Ivo Rauch (Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland Bd. III, 1), Berlin 2011, 128 f. [= 38. Hl. Sebald]
Siehe auch
Extern
GND-Explorer (Objekt)
Nachnutzung
Rechtehinweise
Katalogdaten: Corpus Vitrearum Deutschland / Freiburg i. Br.
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Hl. Sebald (Erbach, Schloss)“, in: Mittelalterliche Glasmalereien in Hessen <https://lagis.hessen.de/de/quellen-und-materialien/mittelalterliche-glasmalereien-in-hessen/alle-eintraege/105-1-07-01_hl-sebald-erbach-schloss> (aufgerufen am 19.05.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/cvmahessen/105-1-07-01