Fehr-Flach, Franz* Anton Theodor
Wirken
Werdegang
- nach der Leitung des väterlichen Fabrikbetriebes in Mülheim am Rhein 1877 Übernahme der Wiesbadener Stanniol- und Stempelfabrik seines Schwiegervaters
- 1884-1897 Stadtverordneter von Wiesbaden
- 1897-1920 Präsident der Industrie- und Handelskammer Wiesbaden
- 1900 Kommerzienrat
- Förderer des Eisenbahnverkehrs
- Mitbegründer des Mittelrheinischen Fabrikantenvereins und der Deutschen Gesellschaft für Kaufmannserholungsheime, zu deren Präsident er 1917 gewählt wurde
Familie
Vater
Fehr, N.N., † 1852, Seiden- und Sammetfabrikant
Mutter
Hesse, N.N., aus Olpe
Partner
Flach, Luise Johanna, * Wiesbaden † Wiesbaden 29.11.1922, 69 Jahre alt, Tochter des Fabrikanten Albert Flach aus Wiesbaden
Leben
Aus der Biografie
Franz Fehr-Flach wurde 1840 als Sohn eines Seiden- und Sammetfabrikanten in Mühlheim bei Köln geboren. Der Vater starb als Fehr-Flach zwölf Jahre alt war, was ihn zwang, seine Ausbildung an der Höheren Bürgerschule in Mühlheim zu beenden. Er begann eine Lehre bei der Firma Schubert-Arntz in Köln. Bis zu seiner Volljährigkeit führte seine Mutter den Betrieb weiter. Ab 1860 leitete er selbst mit großem Geschick die Firma, besuchte zur Weiterbildung zahlreiche Seiden- und Sammetfabriken im In- und Ausland und hatte kommerziellen Erfolg in anderen Industriebereichen wie etwa dem Abbau von Quarzit. Diese Eigenschaften dürften 1877 die Entscheidung des Wiesbadener Industriellen Albert Flach beeinflusst haben, seinem Schwiegersohn die Leitung seiner Stanniol- und Stempelfabrik zu übertragen.
Auch in Wiesbaden setzten sich seine beruflichen Erfolge fort und führten 1879 zu seiner Wahl in die städtische Handelskammer. Im Jahre 1888 wurde Fehr-Flach zum stellvertretenden Vorsitzenden und 1897 zum Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Wiesbaden gewählt. Dieses Amt übte er in der Folge 23 Jahre lang aus und trat erst im Alter von 80 Jahren nicht zu einer erneuten Wiederwahl an. In seiner Zeit als Funktionär und Präsident engagierte sich Fehr-Flach für verschiedene Projekte, worunter vor allem Gründung des Mittelrheinischen Fabrikantenvereins, des Kaufmännischen Vereins Wiesbaden sowie der Gesellschaft für Kaufmannserholungsheime 1911 zu nennen ist. Der Sitz letzterer wurde auf Betreiben Fehr-Flachs nach Wiesbaden verlegt. Von 1911 bis 1917 war er stellvertretender Vorsitzender und von 1917 bis 1920 Präsident der Gesellschaft. Für seine Verdienste und sein Engagement wurde er im Jahre 1900 zum Kommerzienrat und 1920 zum Ehrenpräsidenten der Wiesbadener Industrie- und Handelskammer ernannt. Als Vertreter Nassaus gehörte er zudem 40 Jahre lang der Edel- und Unedelmetallberufsgenossenschaft an.
Ein zweites Feld, welchem sich Franz Fehr-Flach über Jahrzehnte widmete, war die Kommunalpolitik. Zwei Jahre nachdem er 1882 das Bürgerrecht der Stadt Wiesbaden erhalten hatte, wurde Franz Fehr-Flach als Stadtverordneter gewählt. In diesem Amt, das er bis 1897 ausübte, setzte er sich für einen Ausbau des Schienennetzes und eine Intensivierung des Eisenbahnverkehrs ein. Hierunter fiel auch sein Engagement für den Neubau des Wiesbadener Hauptbahnhofs. Sein Interesse galt in zweiter Linie der Zuwanderung von Außenstehenden nach Wiesbaden, was durch eine Verschönerung des Stadtbildes zu erreichen suchte. So geht die Ausgestaltung der Nerotalanlagen unter anderem auf seine Initiative zurück. Daneben engagierte er sich als begeisterter Besucher von Kurkonzerten und anderer kultureller Veranstaltungen besonders für den Bau des neuen Theaters.
Nachdem er sich 1920 von allen Ämter zurückgezogen hatte, verbrachte Franz Fehr-Flach seinen Ruhestand in Wiesbaden, wo er in seinem Haus in der Emserstraße 9 im Jahre 1929 verstarb.
Oliver Teufer
Nachweise
Quellen
- HStAM Bestand 925 Nr. 2830 (Wiesbaden, Sterbenebenregister, 1922, Nr. 1704)
- HStAM Bestand 925 Nr. 2863 (Wiesbaden, Sterbenebenregister, 1929, Nr. 1016)
Literatur
- Wiesbaden. Das Stadtlexikon, hrsg. vom Magistrat der Stadt Wiesbaden, Darmstadt 2017, S. 237 f. (Oliver Teufer)
- Renkhoff, Nassauische Biographie, 2. Aufl., Wiesbaden 1992, Nr. 1042, S. 186
- Nassauische Heimatblätter 31, 1930, S. 76 f.
- Geisthardt, Wiesbaden und seine Kaufleute, S. 89 f.
Weblinks
Siehe auch
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Fehr-Flach, Franz* Anton Theodor“, in: Hessische Biografie <https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/8804_fehr-flach-franz-anton-theodor> (aufgerufen am 21.04.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/bio/8804