Schwertzell von Willingshausen, Johann

 
belegt seit
1485
belegt bis
1523
Beruf
Amtmann, Haushofmeister, Rat, Befehlshaber, Assessor

Andere Namen

Weitere Namen

Schwerzel von Willingshausen, Johann

Familie

Partner

N.N., Zeitlose

Verwandte

Schwertzell von Willingshausen, Ludwig <Sohn>, † 1529, Assessor, Marschall

Leben

Aus der Biografie

Biogramm bei Demandt, Personenstaat
Erhält 1485 durch den Marburger Hofmeister Hans von Dörnberg 46 fl. für ein Pferd1; wird Amtmann genannt 1487 Februar 182 und Mai 293, Amtmann zu Rüsselsheim 1487 April 24, 1489 September 85, 1492 Mai6 und unter Landgraf Wilhelm III. auch Amtmann zu Gernsheim7, gen. 1488 Juli 188. Wird 1493 April 21 von diesem zum Haushofmeister auf dem Schloß Marburg bestellt9 mit dem Auftrag, das Schloß nach bestem Vermögen zu verwahren, nachts darin zu schlafen, den Verschluß der Tore bei Nacht und die rechtzeitige Öffnung am Morgen zu überwachen und nachts die Schlüssel zu verwahren. Insbesondere soll er Keller, Backhaus und Küche beaufsichtigen, die Zubereitung der Speisen überwachen, damit sie wohlschmeckend, reinlich und gar gemacht werden, kein Winkelessen weder sich selbst noch anderen gestatten und deshalb das gemeinsame Essen von Köchen, Kellnern und Schenken überwachen. Außerdem muß er sich mit 3 reisigen Pferden mit einem geschickten reisigen Knecht und einem Knaben gerüstet halten. Dafür erhält er jährlich 50 fl. in Gold in vier Raten zu den vier Fronfasten vom Kammerschreiber, Hofkleidung wie andere Räte und Amtleute und angemessenen Ersatz seines reisigen Schadens. Sein Amtsjahr geht am 1. Mai an und aus10. Schwertzell gehört gleichzeitig dem Marburger Kanzleigericht als Rat bis zum Tode Landgraf Wilhelms III. an11 und bleibt Haushofmeister auch Landgraf Wilhelms II. in Marburg bis mindestens 1504 Juni 2512. In der pfälzischen Fehde übt er 1504 Mai 3 ff. in der Obergrafschaft Befehlsgewalt aus13. Nach dem Tode Landgraf Wilhelms II. und der Errichtung des ständischen Regiments 1509 wird er von den Regenten wider den Willen der Landgräfin Anna der Jüngeren als Befehlshaber nach Marburg abgeordnet14 und wird noch 1509 November 17 amtlich als solcher bezeichnet15. Assessor am Hofgericht zu Marburg 1509 bis 1512 Juni 916. Nach der Absetzung des Hans von Berlepsch als Kasseler Haushofmeister durch die Regenten, von diesen als dortiger Haushofmeister bestellt17, genannt 1511 Mai 2618 bis 1513 Januar 119; dann Amtmann zu Lichtenberg 1513 August 2620, September21, 1514 März 2422. Als einflußreicher Parteigänger der Regenten fällt er Anfang 1514 dem politischen Umschwung, der die Landgräfin Anna wieder an die Macht bringt, zum Opfer, tritt in der Folgezeit für die nach dem Umsturz verfolgten Adelsgenossen ein23 und bleibt Gegner der Landgräfin. Als dann Franz von Sickingen Hessen in der Obergrafschaft angreift, ruft Schwertzell „die auf dem Kirchhof zu Gernsheim versammelte Ritterschaft zur Berufung eines Landtages und zum Sturz des verhaßten Regiments der Mutter des Landgrafen [Philipp] auf24, scheitert jedoch damit. Die Folge ist, daß er – obwohl noch im Oktober 1518 als einer der Ritterschaftsvertreter bei Landgraf Philipp benannt25 – nun auch mit diesem in schweres Zerwürfnis gerät26 und dessen Ungnade verfällt27. Er hat deshalb seinen Dienst außerhalb Hessens gesucht und ist 1523 als Amtmann in Kalten-Nordheim nachweisbar28.

Nachweise

Fußnoten

  1. Rechn. I, Marburg Hofmeister (10/1 I Bl. 3v.).
  2. Rechn. I, Hadamar (64/20 Bel.).
  3. Rechn. I, Oberrosbach (85/6 Bl. 11).
  4. Baur, Hessische Urkunden IV Nr. 253.
  5. Rechn. I, Ämterrezesse (9/48 Bl. 25).
  6. Rechn. I, Oberrosbach (85/11 Bl. 30).
  7. Das Rep. 1 verzeichnet aus dieser Zeit: Johan Swirtzels amptzettel uber das ampt Gernsheim, der jedoch nicht mehr nachweisbar ist.
  8. Rechn. I, Marburg Kammerschreiber (4/6 Bel.).
  9. Druck bei Gundlach II Nr. 9.
  10. Ebd.
  11. Vgl. Gundlach III S. 250. – Kopiar 58 fol. 80. – Küch, Marburger Rechtsquellen I S. 203 ff. – Rat wird er in seiner Bestallung zum Haushofmeister genannt. – Seine Frau hieß 1495 Februar 26 Zeitlose (Urkk., Gen.-Rep. Grenzebach).
  12. Rechn. I, Zwingenberg (121/15 Bl. 2, 12).
  13. Ebd. 121/12 Bl. 2 ff. und 121/15 Bl. 2 ff.
  14. Glagau, Landtagsakten S. 39, 54.
  15. Gundlach III S. 250.
  16. So Gundlach a.a.O. nach den Hofgerichtsprotokollen.
  17. Glagau, Landtagsakten S. 256.
  18. Urkk., Samtarchiv Nachtr. 0,867. – Vgl. dazu die Bemerkungen Ludwigs von Boyneburg auf dem Kasseler Landtag vom März 1514 (hier verzeichnet unter Hans von Berlepsch der Ältere). – Auch für sein Kasseler Hofmeisteramt erhält er jährlich 50 fl. Dienstgeld (Rechn. I, Kassel Kammerschreiber 12c/2 Bel. zu 1512 Juli 28).
  19. Best. 2 IV Auswärtige Beziehungen: Lippe (Gundlach).
  20. Siehe Anm. 15.
  21. Rechn. I, Umstadt (111/4 Bel.).
  22. Best. 257, Fragmenta actorum des Hofgerichts Bd. LVI Nr. 31.
  23. Glagau, Landtagsakten Nr. 474.
  24. Ebd. S. 499.
  25. Ebd. S. 532.
  26. Ebd. Nr. 224.
  27. Ebd. Nr. 227.
  28. Best. 255, Reichskammergericht U 6 (Gundlach).

Quellen

Literatur

Nachnutzung

Rechtehinweise

Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Schwertzell von Willingshausen, Johann“, in: Hessische Biografie <https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/22546_schwertzell-von-willingshausen-johann> (aufgerufen am 16.04.2026)

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