Leben
Aus der Biografie
Erhält um [1180/81] von Landgraf Ludwig III. von Thüringen als Gerlach zusammen mit dem villicus Ruthard von Kassel den Befehl, den Besitz des Klosters Ahnaberg in Kragenhof (bei Kassel) vor den landgräflichen Hägern zu schützen1. Er muß also eine amtliche Funktion in Kassel ausgeübt haben, und zwar in einer dem villicus übergeordneten Position, da er vor diesem angesprochen wird. Gerlach dürfte identisch sein mit Gerlach in Kassel, der 1182 einen Gütertausch Landgraf Ludwigs mit Kloster Hasungen bezeugt2, 1189 als Gerlacus advocatus die Übereignung einiger Höriger des Stiftes Fritzlar durch dessen (Ober)Vogt Landgraf Ludwig III. von Thüringen an Kloster Kappel bezeugt3, in einer Urkunde Erzbischof Konrads von Mainz für Kloster Weißenstein (bei Kassel) von 1196 wiederum als Vogt auftritt4 und 1202 zugegen ist, als Graf Heinrich von Ziegenhain auf einen Neubruchzehnten in Marienrode (bei Borken) zugunsten des Klosters Hardehausen verzichtet5. Es scheint, daß Gerlach als Stellvertreter des Landgrafen in mehreren niederhessischen Kloster- und Stiftsvogteien fungiert und also keine lokale, sondern eine überörtliche Verwaltungsfunktion (wohl von Kassel aus) ausgeübt hat.
Nachweise
Fußnoten
- Schultze, Kasseler Klöster Urkundenanhang Nr. 3 (Regest Nr. 4) datiert [1172–1181] nach Dobenecker, Reg, Thur. II Nr. 519, der jedoch schon von Ilgen-Vogel, Erbfolgekrieg (ZHG 20, 1883) S. 208 f. in obiger Weise korrigiert worden ist. ↑
- Dobenecker, Reg. Thur. II Nr. 642. ↑
- Demandt, Fritzlarer Rechtsquellen S. 118 und Nr. 6 (S. 213). Hier habe ich allerdings keineswegs Bedenken gegen eine Personengleichheit geäußert, wie Friderici, Kasseler Patriziat (HJL 13, 1963) S. 58 Anm. 85 meint; das Problem ist dort gar nicht angeschnitten. Ich stimme vielmehr auf Grund der erneuten Nennung Gerlachs in einer Urkunde Landgraf Ludwigs III. der Ansicht von W. A. Eckhardt, Rodedörfer im Kaufunger Wald (ZHG 71, 1961) S. 185 zu, der die Personengleichheit annimmt, nicht aber seiner Bemerkung, daß der Vogt Gerlach vielleicht identisch sei mit dem landgräflichen Ministerialen Gerlach von Körle, der mit seiner Gemahlin Jutta laut nachträglicher Beurkundung durch Landgraf Ludwig III. [ebenfalls von 1180/81] der Fritzlarer Kirche ein Allodialgut zu Ochshausen geschenkt hatte (Dobenecker, Rg. Thur. II.Nr. 620). ↑
- Schultze, Kasseler Klöster Nr. 1368. Die Annahme, daß dieser 1196 genannte Vogt Gerlach mit dem 1189 bezeugten gleichnamigen Vogt identisch ist, schon bei Demandt, Fritzlarer Rechtsquellen Nr. 6 Anm. 1. ↑
- Westfäl. UB IV Nr. 7. Friderici a. a. O. möchte den 1180/81–1182 gen. Gerlach (II.) von dem 1202 genannten ab- und diesen mit dem 1209 Oktober 29 als Zeuge in einer Ahnaberger Urkunde erscheinenden Gerlach (III.) von Kassel gen. Rintfraz (Schultze, Kasseler Klöster Nr. 6) gleichsetzen. Diese Annahme halte ich für unwahrscheinlich. ↑
Literatur
- Demandt, Der Personenstaat der Landgrafschaft Hessen im Mittelalter. Ein „Staatshandbuch“ Hessens vom Ende des 12. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts, Teil 1, Marburg 1981, S. 438, Nr. 1530
- Friderici, Genealogische Beobachtungen zur Frühgeschichte der Stadt Kassel und des Kasseler Patriziats, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 13 (1963), S. 39-82
- Demandt (Bearb.), Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Fritzlar im Mittelalter, Marburg 1939
- Otto Dobenecker, Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae, Bd. 2: 1152–1227, Jena 1900
Eckhardt, Rodedörfer im Kaufunger Wald, in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 71 (1960), S. 152-154
- Schultze, Klöster, Stifter und Hospitäler der Stadt Kassel und Kloster Weißenstein, Marburg 1913
Nachnutzung
Rechtehinweise
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Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Kassel, Gerlach von“, in: Hessische Biografie <https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/21063_kassel-gerlach-von> (aufgerufen am 15.04.2026)
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