Ruland, Heinrich
geboren
um 1450 Allendorf an der Werra gestorben
1.5.1517 Beruf
Jurist, Rat Titel
Dr. jur. Konfession
katholischWirken
Werdegang
- stammte aus einer Allendorfer Ratsfamilie, die viele gelehrte Mitglieder aufweist
- 1466 und 1471 an der Universität Erfurt immatrikuliert
- 1487 Lizentiat
- 1489 Magister
- 1495/96 Doktor decretorum genannt. (nach Stölzel, Gel. Richtertum, Bd. 1, S. 409; Magister 1474, Doktor juris canonici 1494)
- 1487-1494 in hessischen Diensten
- 1494 Rektor der Universität Erfurt, aber weiter in Diensten der Landgrafen
- 1497 in der Kasseler Kanzlei vorwiegend „mit Kloster- und anderen geistlichen Sachen befaßt“ (Demandt, Personenstaat, S. 714, Nr. 2534)
- seit 1497 bis zu seinem Tode Dechant des St. Martinsstifts in Kassel, als solcher Visitator und Reformator der hessischen Klöster
- 1506-1508 vom Landgrafen Wilhelm II. († 1509) zum Testamentsvollstrecker, bevollmächtigtem Statthalter in geistlichen Sachen und zum Vormund seiner Kinder bestimmt
- 1509 Rat und Mitglied im Regiment von Landgräfin Anna
- 1515 Mitbesitzer einer Salzpfanne in Sooden bei Allendorf an der Werra
- seine von den Landgrafen offensichtlich geschätzten Fähigkeiten hat er in vielen Prozessen bewiesen
- von Stölzel (Gel. Richtertum, Bd. 1, S. 413) wird er, neben Hermann Ortlieb, als einer der letzten geistlichen Räte bezeichnet
Lebensorte
Allendorf an der Werra; Erfurt; Kassel
Familie
Verwandte
Ruland, Roland <Bruder>, belegt 7.6.1508–21.10.1518, Prokurator, Administrator, Amtmann
Nachweise
Quellen
- HStAM Bestand K Nr. 59/1
- HStAM Bestand K Nr. 208 I
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 114/31
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 12a/1
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 72/2
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 12/5
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 78/2
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 61/13
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 11/12
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 121/2
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 14/3
Literatur
- Wannagat (Hrsg.), Kassel als Stadt der Juristen (Juristinnen), Köln u. a. 1990, S. 492.
- Demandt, Der Personenstaat der Landgrafschaft Hessen im Mittelalter. Ein „Staatshandbuch“ Hessens vom Ende des 12. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts, Teil 1, Marburg 1981, S. 714, Nr. 2534
- Gundlach, Die hessischen Zentralbehörden von 1247 bis 1604, Bd. 3: Dienerbuch, Marburg 1930, S. 219 f.
- Huyskens, Die Klöster der Landschaft an der Werra, Marburg 1916
- Glagau, Hessische Landtagsakten 1: 1508–1521, Marburg 1901
- Schultze, Klöster, Stifter und Hospitäler der Stadt Kassel und Kloster Weißenstein, Marburg 1913
Leben
Aus der Biografie
Biogramm bei Demandt, Personenstaat
Aus Allendorf an der Werra, immatrikuliert in Erfurt Michaelis 14661=Gundlach III S. 219 nach der Erfurter Matrikel I, 319 und I, 345 mit der Heimatangabe. und Michaelis 14712=Ebd. . 1487 Oktober 16 nennt ihn Landgraf Wilhelm II. unsern lieben andechtigen, raith und getruwen hern Heinrichen Rulanden licenciaten3=Gundlach zitiert: Samtarchiv II 134, 7. . 1489 Mai 1 wird er als Magister Rulandus licentiatus vom Landgrafen auf einen Tag in Fulda4=Rechn. I, Kassel Kammerschreiber (11/12 Bl. 162). , Mai 31 nach Weilburg zum Begräbnis der Gräfin von Nassau geschickt5=Gundlach III S. 220 nach der Kasseler Kammerschreiberrechnung. und vertritt ebendamals den Landgrafen auf einem Tage zu Heiligenstadt gegen Heiso von Kerstlingerode6=Rechn. I Kassel Kammerschreiber (11/12 Bl. 163). . Als er auf der Rückreise von einem Erfurter Tag mit den hessischen Räten in Eisenach erkrankt, wird er in der dortigen Kartause, als er in Eschwege einen Rückfall erleidet, im dortigen Augustinerkloster auf landgräfliche Kosten gepflegt7=Ebd. 12/5 Bel. Nr. 6 s. d. Ende des 15. Jhs. . 1494 Mai 2 wird er zum Rektor der Universität Erfurt gewählt8=Gundlach III S. 220 nach der Erfurter Matrikel II, 181. . Als Dr. Heinrich Ruland weilt er im Juli 1495 bei Landgraf Wilhelm II.9=Senckenberg, Selecta iuris S. 115 (zitiert Gundlach unter Bezug auf Diemar). . Dr. decretorum und landgräflicher Rat 1496 Oktober 3110=Urkk., Landgräfliche Ehesachen. Er war damals einer der Unterhändler, die den Ehevertrag zwischen Landgraf Wilhelm II. und der Herzogin Jolanthe von Lothringen abschlossen. , 1497 März 9–1611=Rechn. I Gudensberg (61/13 Bl. 16). , im landgräflichen Auftrag stark mit Kloster- und anderen geistlichen Sachen befaßt12=Vgl. dazu Huyskens, Werraklöster Nrr. 1314, 740, 1336, 750, 204, 215, 225. . Dechant des St. Martinstiftes in Kassel 149713=So Gundlach III S. 220 (nach Rechn. I, Felsberg und Kopiar 59 I). bis zu seinem Tode. Wird als solcher 1501 Dezember 13 mit gen. Äbten auf Ersuchen Landgraf Wilhelms II. von Kardinalpriester Raimund zum Visitator und Reformator der hessischen Klöster bestellt14=Schultze, Kasseler Klöster Nr. 1095. . Rat in der Kanzlei zu Kassel (vorwiegend in geistlichen Sachen)15=Vgl. etwa Rechn. I, Marburg (78/2 Bl. 92): 4 fl. und 2 alb. hait doctor Rolandt und andere mit ime vertzert by Henrich Gyln der prediger reformacion halber; Rechn. I, Witzenhausen (114/31 Bl. 9) zu 1505 November 5/6: 18 alb. hait vorzerth doctor Roland . . . do he in dem closter was zwen nacht; Rechn. I, Ziegenhain (121/2 Bl. 79v.) zu 1505: 10 mött korns den prediger bern zu Treysa, als die nuwe reformation angefangen wardt nach montlicher entphels doctor Rulantz, dechant zu Cassel. bis zum Tode Landgraf Wilhelms II. und darüber hinaus. Wird 1506 August 11 vom Landgrafen als einer seiner Testamentsvollstrecker, bevollmächtigter Statthalter in geistlichen Sachen und Vormund [der Landgräfin Anna und Landgraf Philipps] bestimmt16=Glagau, Landtagsakten S. 4. , desgl. 1508 Januar 2917=Ebd. . Rat der Landgräfin Anna 1509 Oktober 918=Glagau S. 42. Als solcher begleitet er sie im November 1509 auf den Mühlhäuser Schiedstag (Rechn. I, Lichtenau 72/2 Bl. 16). und Mitglied der Zentralregierung 150919=Glagau, Landtagsakten S. 29, 42. . Dekan der Heilig-Kreuz-Kirche zu Allendorf an der Werra 1508 Januar 3020=Urkk., Gen.-Rep. Allendorf (er bezeugt mit seinem Bruder Roland den Ehevertrag zwischen Berthold Ihring und Anna Fischer von Allendorf). , Besitzer des St. Petersaltars im Chor der Stiftskirche zu Fritzlar 151421=Gundlach III S. 220 (nach Kopiar 208 Bl. 14). Die registra camerae des Fritzlarer Stiftes weisen jedoch schon für 1502 ein Haus des Dr. Ruland in der Holzgasse nach (Best. 105 II, Fritzlar). und des Hl.-Kreuzaltars vor dem Chor der Liebfrauenkirche in Melsungen 1508 März 3122=Rechn. I, Kassel Kammerschreiber (12a/1 Bel.). , 1516 April 423=Ebd. 14/3 Bel. . Mitbesitzer einer Salzpfanne zu Sooden bei Allendorf an der Werra 1515 Mai 1224=Urkk., Kloster Kappel. . Tot 1517 Mai 125=Rechn. I, Kassel Kammerschreiber (14/3 Bel.) Testamentsvollstrecker ist sein Bruder Roland Ruland (siehe dort). .
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Zitierweise
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„Ruland, Heinrich, “, in: Hessische Biografie <https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/20739_ruland-heinrich> (aufgerufen am 29.11.2025)
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