Hessen, Wilhelm von
belegt seit
1489 gestorben
13.2.1550 Melsungen Beruf
Rentmeister, Kellner, Rat, Türhüter, Amtmann, Schreiber GND-Explorer
1394947348Andere Namen
Weitere Namen
Hessen, Wilhelm der Jüngere%von
Hessen, Wilhelm der Jüngere Freiherr zu Landsburg%von
Familie
Vater
Hessen, Ludwig II. Landgraf von, * 7.9.1438, † Reichenbach 8.11.1471
Mutter
Holzheim, Margarethe von, Tochter des Sittich von Holzheim und der Margarethe Gaugrebe
Verwandte
- Hessen, Johann von <Bruder>, † 1531, belegt 8.3.1491, Diener, Knecht, Schultheiß, Amtmann, Rentmeister
- Hessen, Wilhelm der Jüngste von <Bruder>, belegt 1483–25.5.1508, Botenmeister
Leben
Aus der Biografie
Biogramm bei Demandt, Personenstaat
Von Hessen, Wilhelm der Jüngere1, Freiherr zur Landsburg seit 15092, unebenbürtiger Sohn Landgraf Ludwigs II. und der Margarethe von Holzheim, Tochter Sittichs von Holzheim3. Als der „junge Wilhelm“ zuerst 1489 genannt4 und wahrscheinlich identisch mit jenem Wilhelm halblandtgrave, der sich 1491 mit einer Urfehdeerklärung aus der Gefangenschaft des Mainzer Erzbischofs lösen muß5. Rentmeister zu Rotenburg 1496–14996, Kellner zu Eppstein 1500 Dezember 157, 1501 stellt er gemeinsam mit dem Gießener Rentmeister Balthasar Schrautenbach den Schuldenstand der oberhessischen Städte8 fest9. Im Dienst Landgraf Wilhelms II. 1504 Mai 110. Rat Landgraf Wilhelms II. 1506 Juli 2511 und sein Türhüter 1505 Januar 3112, 1506 September 1313, 1507 Februar 1714, 1508 Oktober 3015. Da er sich in dieser Funktion des kranken Landgrafen besonders annimmt, wird er von diesem 1509 Februar 13 gegen den Willen der Räte mit Burg und Herrschaft Landsburg belehnt, nachdem der Landgraf die Erhebung seines Halbbruders zum Freiherren beim Kaiser erreicht hatte16. Nach dem Tode Landgraf Wilhelms II. gehört er 1509 Juli 12 zunächst noch zu den Kasseler hinterlassenen Hofräten17, hält sich aber zur Witwe des verstorbenen Landgrafen, der Landgräfin Anna, und nicht zur Adelsopposition und ist für Anna im Oberfürstentum, am Rhein und auf Tagen zu Worms und dem Mühlhäuser Schiedstag im November 1509 tätig18. Michaelis 1510 scheidet er auf eigenen Wunsch aus ihrem Dienst aus und tritt noch im gleichen Jahr für drei Jahre als Diener von Haus aus in mainzischen Sold19. Amtmann zu Schöneberg 1506 August 14 bis 1511, dann wegen Verletzung des Grebensteiner Amtmanns Dietrich von Schachten durch seine Knechte von den Regenten zur Verantwortung gezogen, seines Besitzes beraubt und außer Landes gewiesen20. Er geht nunmehr in die Dienste des gleichfalls außerhalb Hessens weilenden und um seine Rechte kämpfenden Landgraf Wilhelm I. und ist 1512 als halber Landgraf und Schreiber Landgraf Wilhelms I. bezeugt, wie Eckhardt entgegen Knetsch meint21. Nach dem Sturz der Regenten wird Wilhelm d. J. mit Hilfe eines kaiserlichen Dekrets von der Landgräfin Anna der Jüngeren wieder in seine Amtmannstelle eingesetzt und behält diese bis 1518 Juni. Seitdem lebte er auf der Landsburg22, war noch verschiedentlich tätig und starb hochbetagt 1550 Februar 13 in Melsungen23.
Von Hessen, Wilhelm der Jüngere1, Freiherr zur Landsburg seit 15092, unebenbürtiger Sohn Landgraf Ludwigs II. und der Margarethe von Holzheim, Tochter Sittichs von Holzheim3. Als der „junge Wilhelm“ zuerst 1489 genannt4 und wahrscheinlich identisch mit jenem Wilhelm halblandtgrave, der sich 1491 mit einer Urfehdeerklärung aus der Gefangenschaft des Mainzer Erzbischofs lösen muß5. Rentmeister zu Rotenburg 1496–14996, Kellner zu Eppstein 1500 Dezember 157, 1501 stellt er gemeinsam mit dem Gießener Rentmeister Balthasar Schrautenbach den Schuldenstand der oberhessischen Städte8 fest9. Im Dienst Landgraf Wilhelms II. 1504 Mai 110. Rat Landgraf Wilhelms II. 1506 Juli 2511 und sein Türhüter 1505 Januar 3112, 1506 September 1313, 1507 Februar 1714, 1508 Oktober 3015. Da er sich in dieser Funktion des kranken Landgrafen besonders annimmt, wird er von diesem 1509 Februar 13 gegen den Willen der Räte mit Burg und Herrschaft Landsburg belehnt, nachdem der Landgraf die Erhebung seines Halbbruders zum Freiherren beim Kaiser erreicht hatte16. Nach dem Tode Landgraf Wilhelms II. gehört er 1509 Juli 12 zunächst noch zu den Kasseler hinterlassenen Hofräten17, hält sich aber zur Witwe des verstorbenen Landgrafen, der Landgräfin Anna, und nicht zur Adelsopposition und ist für Anna im Oberfürstentum, am Rhein und auf Tagen zu Worms und dem Mühlhäuser Schiedstag im November 1509 tätig18. Michaelis 1510 scheidet er auf eigenen Wunsch aus ihrem Dienst aus und tritt noch im gleichen Jahr für drei Jahre als Diener von Haus aus in mainzischen Sold19. Amtmann zu Schöneberg 1506 August 14 bis 1511, dann wegen Verletzung des Grebensteiner Amtmanns Dietrich von Schachten durch seine Knechte von den Regenten zur Verantwortung gezogen, seines Besitzes beraubt und außer Landes gewiesen20. Er geht nunmehr in die Dienste des gleichfalls außerhalb Hessens weilenden und um seine Rechte kämpfenden Landgraf Wilhelm I. und ist 1512 als halber Landgraf und Schreiber Landgraf Wilhelms I. bezeugt, wie Eckhardt entgegen Knetsch meint21. Nach dem Sturz der Regenten wird Wilhelm d. J. mit Hilfe eines kaiserlichen Dekrets von der Landgräfin Anna der Jüngeren wieder in seine Amtmannstelle eingesetzt und behält diese bis 1518 Juni. Seitdem lebte er auf der Landsburg22, war noch verschiedentlich tätig und starb hochbetagt 1550 Februar 13 in Melsungen23.
Nachweise
Fußnoten
- Die unebenbürtigen Söhne Landgraf Ludwigs II. mit dem Namen Wilhelm bieten schwierige Identitätsprobleme. Es ist nicht nur umstritten, ob es zwei oder drei solcher Wilhelme gab, sondern auch wer welche Funktionen ausübte. Landau, Armbrust und Eckhardt nehmen zwei, Knetsch und ich nehmen drei Wilhelme an, doch will Eckhardt offenbar einen dritten nicht völlig ausschließen (Eckhardt, Margarethe von Hessen in HJL 20, 1970 S. 147 ff. und S. 150), zumal die unterscheidenden Zusätze (vor allem zwischen dem Jüngeren und dem Jüngsten) oft gebraucht werden, wenn auch keineswegs immer, was eine zusätzliche Bestimmungsschwierigkeit bildet. – Wilhelm der Ältere wird mit diesem Zusatz im Oktober 1489 erwähnt, als er Landgraf Wilhelm I. die Nachricht von der Geburt seiner ältesten Tochter überbringt (Knetsch, Beiträge in ZHG 40, 1907) S. 286. Er dürfte dem Alter nach auch identisch sein mit jenem Junker Wilhelm lantgrave, der 1485 Mai 9 auf dem Wege von Erzbischof Hermann von Köln in Driedorf verpflegt wird (Rechn. I, Driedorf 39/15 Bl. 17), denn damit kann kein Landgraf gemeint worden sein, die der Rentmeister immer als meine gnädigen lieben Herren bezeichnet. Knetsch sieht in ihm den Schreiber Landgraf Wilhelms I, der in dieser Funktion 1512 als halber Landgraf bezeichnet wird, was Eckhard bestreitet (siehe unten Anm. 21). Zu September 1516 nennt der hessische Chronist Nuhn Wilhelm d. Ä., als er den Kölnischen in einem gegen Landgraf Philipp gerichteten Angriff bei der Zerstörung einer Befestigung bei Wolfhagen half (Knetsch a.a.O.). Zuletzt ist er als kurkölnischer Kellner 1537 und 1538 in Arnsberg nachweisbar (ebd.). ↑
- Vgl. Knetsch, Beiträge (ZHG 40, 1907) S. 292 ff. und Eckhardt, Margarethe von Hessen (HJL 20, 1970) S. 147 ff. ↑
- S. ebd. Margarethe heiratete später den Waldecker Drosten Hildebrand Gogrebe. Sie war eine Schwester der Gertrud von Holzheim, die mit dem Trendelburger Amtmann Hans von Stockhausen verheiratet war. ↑
- Knetsch, Beiträge (ZHG 40, 1907) S. 288. ↑
- Ebd. ↑
- Rechn. I, Rotenburg (91/11 Bl. 25; 91/12 Bl. 73; 91/5 Bl. 102): er heißt in allen Fällen einfach: Wilhelm von Hessen. Eine Urkunde des Klosters Heydau von 1498 Dezember 2 bezeichnet ihn als Amtmann zu Rotenburg. ↑
- Rechn. I, Oberrosbach (86/4 Bl. 35v.): Junker Wilhelm von Hessen. – 1501 rechnet er über das vergangene Amtsjahr ab (Rechn. I, Ämterrezesse 15/2 Bl. 17): Wilhelm von Hessen. ↑
- Vgl. dazu die Vorbemerkung zu Kopiar 5 im Rep. der ma. Kopiare im StA. Marburg Bd. 2 (bearbeitet von Karl E. Demandt 1972). ↑
- Rechn. I, Neukirchen (84/24 S. 30): 1 fl. 15 ½ alb. haben verczert der halbe lantgrave [auf S. 29 heißt er Wilhelm von Hessen] und Baltzer von den Gyßen, du se zcu Nüwenkirchen worn und erfarn sulden, wayß die von Nuwenkirchen vor zinse geben und wie se beswert wern. ↑
- Rechn. I, Felsberg (47/8 Bl. 27): 1 alb.... hait Wilhelm von Hessen vertzert, als er von wegen m. gn. h. in die ampt die bevelh thete der Paltzgrebschen boten halben. ↑
- Siehe Anm. 4. ↑
- Rechn. I, Ziegenhain (121/2 Bl. 56v.). ↑
- Ebd. 121/3 Bl. 101v.: thorknecht. ↑
- Ebd. 121/4 Bl. 37v. ↑
- Kopiar 59 II Nr. 36. ↑
- Siehe Anm. 4. ↑
- Rechn. I, Spangenberg (103/13 Bel.). ↑
- Siehe Anm. 4. ↑
- Siehe Anm. 4. ↑
- Siehe Anm. 4. ↑
- So Eckhardt a. a. O. S. 149 gegen Knetsch a. a. O. S. 286, der diese Funktion Wilhelm d. Ä. zuteilt. Die Ausführungen von Eckhardt sind zwar einleuchtend, doch erscheint in der Rentereirechnung von Spangenberg, dem Sitz Landgraf Wilhelms I. und seiner Gemahlin Landgräfin Anna der Älteren, zu 1509 November 7: Wilhelm von Hessen, cancleyschriber (103/8 Bl. 19), der 1509 November 28 Wilhelm uf der cantzley heißt (ebd. Bl. 23) und wohl identisch ist mit dem in der gleichen Rechnung genannten: myner gnedigen frauwen schriber, d. h. dem Schreiber der Landgräfin Anna der Älteren. Dieser Wilhelm könnte zwar Wilhelm der Jüngere oder Wilhelm der Jüngste gewesen sein, doch ist jener nach eigenen Angaben von 1509 bis Michaelis 1510 Rat der Landgräfin Anna der Jüngeren (und damit der Widersacherin der Landgräfin Anna der Älteren) gewesen und dieser ist noch von 1509 Oktober 28 bis 1510 Januar 25 mehrfach als Botenmeister zu Kassel belegt (Rechn. I, Kassel Kammerschreiber 12b/3 Bel. und 12b/6 Bel.). Es erhebt sich daher die Frage, ob der schon 1505 Oktober 29 genannte Wilhelm von Hessen cancelyschriber (Rechn. I, Marburg 78/2 Bl. 134) und Wilhelm der cantzlyschriber (ebd. Rotenburg 92/6 Bl. 99) mit dem gleichnamigen Kanzleischreiber Landgraf Wilhelm I. und seiner Gemahlin von 1509 identisch ist und beide personengleich sind mit Wilhelm d. Ä., wie Knetsch gemeint hat, zumal es in der genannten Rotenburger Rechnung heißt: 5 alb. vor 1 pfar schue Wilhelm dem cantzlyschriber geben, sal Wilhelm von Hessen bescheit haben. ↑
- Vgl. dazu Knetsch a.a.O. ↑
- Ebd. ↑
Quellen
- HStAM Bestand K Nr. 5
- HStAM Bestand K Nr. 59/2
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 12b/3
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 12b/6
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 47/8
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 92/6
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 103/13
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 103/8
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 15/2
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 78/2
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 39/15
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 86/4
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 84/24
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 121/3
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 121/4
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 121/2
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 91/5
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 91/11
- HStAM Bestand Rechn. I Nr. 91/12
Literatur
- Demandt, Der Personenstaat der Landgrafschaft Hessen im Mittelalter. Ein „Staatshandbuch“ Hessens vom Ende des 12. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts, Teil 1, Marburg 1981, S. 353, Nr. 1230
- Das Schriftgut der landgräflich-hessischen Kanzlei im Mittelalter (vor 1517). Verzeichnis der Bestände, bearb. von Karl E. Demandt, Teil 3: Kopiare (K) und Lehnsbücher (L), Bd. 2, Marburg 1973
- Eckhardt, Margarethe von Hessen, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 20 (1970), S. 143-205
- Gundlach, Die hessischen Zentralbehörden von 1247 bis 1604, Bd. 3: Dienerbuch, Marburg 1930, S. 101
Nachnutzung
Rechtehinweise
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Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Hessen, Wilhelm von“, in: Hessische Biografie <https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/20721_hessen-wilhelm-von> (aufgerufen am 11.04.2026)
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