Böhler, Paul
geboren
24.2.1891 Höchst am Main heute Frankfurt am Main gestorben
23.3.1945 Dachau (Konzentrationslager) Beruf
Buchdrucker, Schriftsetzer, Kommunalpolitiker Konfession
katholisch; konfessionslosWirken
Werdegang
- Buchdruckerlehre
- Teilnahme am Ersten Weltkrieg
- Arbeit bei verschiedenen, zum Teil kommunistischen Zeitungen und Verlagen als
- Maschinenschriftsetzer
- 1924-1925 und 1927-1928 Beigeordneter des Bürgermeisters von Nied
- andauernde unüberbrückbare Differenzen mit dem Nieder Bürgermeister Scholling
- Eintritt in die KPD
- 1928 nach der Eingemeindung von Nied Wahl zum Stadtverordneten des Frankfurter Stadtparlaments
- Ausübung des Mandats bis 7.2.1933
- seit 1928 Mitglied im Schulausschuss
- 1931-1933 stellvertretender Vorsitzender der KPD-Fraktion
- 12.3.1933 nach Ermittlungsverfahren der Frankfurter Staatsanwaltschaft Verhaftung und vorübergehende Haft bei der Gestapo wegen des Verdachts der „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“
- 12.3.1933 erneut zum Stadtverordneten gewählt, aufgrund des politischen Betätigungsverbotes für die KPD nicht mehr verpflichtet
- Februar 1933 Verlust des Arbeitsplatzes nach Verbot und Beschlagnahme des kommunistischen Zeitungsverlags „Rhein-Main-Druck-AG“
- keine Arbeitsvermittlung aufgrund der politischen Betätigung
- langjährig auf Arbeitslosen- und Krisenunterstützung und Gelegenheitsarbeiten angewiesen
- 9.10.1934 Freitod des Sohnes Hans angesichts der ausweglosen wirtschaftlichen Lage der Familie
- 1936 nach wiederholten Verhaftungen, Hausdurchsuchungen und Verhören Flucht nach Frankreich, 1937 gefolgt von seiner Frau
- Mai 1940 vorübergehende Festnahme von den französischen Behörden
- 10.1940 Verhaftung durch den deutschen Sicherheitsdienst in Paris
- Internierung in Frankreich, dann bis 2.1941 Haft im Gerichtsgefängnis in Frankfurt
- weiterhin unter Kontrolle der Gestapo
- ab 5.4.1943 Beschäftigung in der Druckerei der Degussa
- 22.8.1944 im Rahmen von Himmlers „Aktion Gitter“ von der Gestapo in „Schutzhaft“ genommen
- 16.9.1944 Überführung nach Dachau, Registrierung als „Schutzhäftling“ mit Häftlingsnummer 108216
- nach Zeugenaussage Veranlassung der Deportation durch Gestapo-Kriminalinspektor Datz nach Böhlers Ablehnung von Spitzeldiensten für die Gestapo
- 23.3.1945 Tod aufgrund der mörderischen Haftbedingungen, laut Lagerbuch durch „Versagen von Herz und Kreislauf bei Herzschwäche“
Funktion
- Frankfurt am Main, Stadtverordnetenversammlung, Mitglied (KPD), 1928-1933
Lebensorte
Nied; Frankfurt am Main
Familie
Vater
Böhler, Medardus, * Michelsrombach (heute Hünfeld) 5.6.1848, Tagelöhner, Sohn des Adolf Böhler, Tagelöhner, und der Anna Maria Eckart
Mutter
Wagner, Katharina, * Oberreifenberg (heute Schmitten im Taunus) 13.9.1860, Heirat Höchst am Main 14.10.1882, Tochter des Paul Wagner und der Elisabetha Kroh
Partner
Müller, Johanna* Theresia, (⚭ Frankfurt am Main-Unterliederbach 24.10.1915) * Münchenbachsee (Kanton Bern) 5.10.1889
Verwandte
- Böhler, Hans <Sohn>, * 21.7.1918, † 9.10.1934 (Suizid)
- Böhler, Walter <Sohn>, * 21.7.1918
Nachweise
Quellen
- HStAM Bestand 903 Nr. 818 (Höchst, Geburtsnebenregister, 1891, Nr. 55)
- HStAM Bestand 903 Nr. 836 (Höchst am Main (Frankfurt-Höchst), Heiratsnebenregister, 1882, Nr. 49)
Literatur
- Bermejo, Die Opfer der Diktatur. Frankfurter Stadtverordnete und Magistratsmitglieder als Verfolgte des NS-Staates, Frankfurt am Main 2006, S. 58 ff.
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Böhler, Paul“, in: Hessische Biografie <https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/16614_boehler-paul> (aufgerufen am 14.04.2026)
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