Hofacker, Johann Carl
Wirken
Werdegang
- Besuch der Mittel- und der Handelsschule in Hanau
- Handelsakademie in Frankfurt am Main
- 1894 Lehre bei der Steuer- und Forstkasse in Hanau
- 1896 Sekretariatsgehilfe Gewerbekammer Hanau
- 1896-1899 Gemeindebeamter
- 1900 Einjähriger
- 1901 Hilfsarbeiter Rechneiamt Frankfurt am Main
- 1906 Oberstadtassistent Frankfurt am Main
- 1912 Stadtsekretär
- 1915-1945 Oberverwaltungsdirektor des Hospitals zum Heiligen Geist
- 1945 Stadtgesundheitsamt, Abteilung Krankenanstalten und medizinische Institute
- 1921 Beiratsmitglied des Frankfurter Vereins für Tuberkulose-Fürsorge
- Vorsitzender des Deutschen Fünften Wohlfahrts-Verbandes
- 1927 Mitgründer des Vereins „Hirnverletztenheim“
- Provinzialvertreter des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Hessen und Hessen-Nassau
- Vertrauensmann in der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
- Präsidialmitglied der Deutschen Liga der freien Wohlfahrtspflege
- Vorsitzender der AG für das Krankenhauswesen in Hessen und Hessen-Nassau beim Deutschen Gemeindetag
- Ausschussmitglied des Reichsverbandes der freien gemeinnützigen Kranken- und Pflegeanstalten Deutschlands [1932] und 1940 Vertreter der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) im engeren Beirat
- 1942 Vorsitzender des Landesverbandes Hessen und Hessen-Nassau der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft
- 1947 Mitbegründer des Hessischen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes
- bis 1930 Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei, 1930-1933 Mitglied der Deutschen Staatspartei
- 1938 Mitglied der NSDAP
- 1933 Mitglied im Reichsbund der Deutschen Beamten
- 1934 Mitglied der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, 1936 der Deutschen Arbeitsfront, 1939 im Reichsluftschutzbund
Werke
Lebensorte
Hanau; Frankfurt am Main
Familie
Mutter
Hofacker, Maria Margaretha, Dienstmagd
Partner
- Ziegler, Christine, (⚭ Frankfurt am Main 25.4.1903) * Hanau 26.4.1880, † 1930, Tochter des Adam Ziegler, Vollziehungsbeamter, und der Marie Krause
- Cabellen, Anna Maria Emmy, (⚭ Frankfurt am Main 26.10.1944) 1895–1977
Leben
Aus der Biografie
Carl Hofacker war das uneheliche Kind einer Dienstmagd und erreichte über Ausbildung und Verwaltungstätigkeit in Hanau und Frankfurt am Main schließlich die Leitung des Hospitals zum Heiligen Geist. Von 1915 bis 1945 hat er als Oberverwaltungsdirektor diese Einrichtung durch Säuglingsheime über Mutterschutz-, Kinder- und Alten- bis hin zu Pflegeheimen erweitert. Er war ein einflussreicher Gesundheitsmanager in der freien Wohlfahrtspflege mit zahlreichen Verbandsämtern.
Carl Hofacker hat deshalb während des „Dritten Reiches“ von Zwangssterilisationen, Zwangsabtreibungen und Euthanasie gewusst. Er äußerte sich negativ über Zwangsarbeiterinnen; seinetwegen kamen Frauen in ein Lager. Häftlinge des Arbeitserziehungslagers Heddernheim mussten Holzbaracken in der Nähe Frankfurts für die „Krankenhaus-Sonderanlage Aktion Brandt, Anlage Köppern i. Ts.“ errichten. Der nach Karl Brandt benannte planmäßige Bau von Behelfskrankenhäusern gegen Kriegsende steht im Kontext einer Euthanasie, bei der durch bewußte Vernachlässigung, Mangelernährung und Verwendung von Medikamenten viele gepflegte Personen sowie Geisteskranke ermordet wurden. Hofacker wurde 1942 der „Inspekteur der Krankenhaus-Sonderanlagen Aktion Brandt“, „der hier ausgezeichnete Arbeit geleistet hat,“1 so Karl Brandt. Hofacker war auch in Köppern der Verwaltungsdirektor. Man muss in Köppern von Euthanasie ausgehen. Hofacker wird zum Zeitraum 1944 und 1945 zitiert: „In Köppern werden sehr viele Leichen seziert ... Der kleine, von früher vorhandene Leichenraum bietet Platz für zwei, allerhöchstens im Notfall drei Leichen. Jetzt liegen in diesem Raum täglich 6-8 Leichen, sehr, sehr oft 10-16-18 Leichen.“2 Hofackers zweite Frau leitete die Apotheke in Köppern ab dem 1. Oktober 1944. Es seien Morde durch Medikamente geschehen, welche der medizinische Leiter aus Berlin mitgebracht habe. Hofacker behauptete nach dem Krieg, er habe „dauernd gegen“ dessen „Gewaltakte angekämpft“;3 demnach hatte er etwas gewusst. Dennoch war er auch in den 1950er Jahren ein in Frankfurt am Main geachteter Mann.
Gunter Stemmler
Nachweise
Fußnoten
Quellen
- Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main: PA 12.069; Rechneiamt IV 53.
- HHStAW Bestand 520 F (A-Z), Hofacker, Carl
- HStAM Bestand 903 Nr. 9639 (Standesamt Frankfurt am Main I (mit Bornheim): Heiratsregister (Einträge 692–1039) 8.4.1903–14.5.1903, Nr. 853)
- HStAM Bestand 903 Nr. 11209 (Frankfurt I, Sterbenebenregister, 1948, Nr. 1233/I)
Literatur
- Eckhard Hansen/Christina Kühnemund/Christine Schoenmakers/Florian Tennstedt (unter Mitarbeit von Karin Christl), Sozialpolitiker in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus 1919 bis 1945, Kassel 2018, S. 82 f.
- Heinz Faulstich, Hungersterben in der Psychiatrie 1914–1949. Mit einer Topographie der NS-Psychiatrie, Freiburg im Breisgau 1998, S. 597
- Ute Daub, „Krankenhaus-Sonderanlage Aktion Brandt in Köppern im Taunus“ – Die letzte Phase der „Euthanasie“ in Frankfurt am Main. Zur politischen und historiographischen Rezeption der „Aktion Brandt“, in: Psychologie & Gesellschaftskritik 16 (1992), H. 2, S. 39-67, hier S. 41, 46 f., 50, 52, 60, 62 f.
- Susanne Hahn, Köppern als Alten- und Siechenheim in der Trägerschaft des Hospitals zum Heiligen Geist in Frankfurt am Main seit 1934 und die „Aktion Brandt“, in: Christina Vanja, Helmut Siefert (Hrsg.), „In waldig-ländlicher Umgebung...“. Das Waldkrankenhaus Köppern: Von der agrikolen Kolonie der Stadt Frankfurt zum Zentrum für Soziale Psychiatrie Hochtaunus, Kassel 2001, S. 196-219, hier S. 204-217
- Brigitte Leuchtweis-Gerlach, Das Waldkrankenhaus Köppern (1901 - 1945). Die Geschichte einer psychiatrischen Klinik, Frankfurt am Main 2001, S. 301, 303 f., 310, 316-329
- Kristina Matron, „Grabkreuze werden hier leider keine angefertigt“ – Evakuierungen von kranken und alten Menschen aus Frankfurt und Krankenmorde 1943-1945, in: Michael Fleiter (Hrsg.), Heimat/Front, Frankfurt am Main im Luftkrieg [...], Frankfurt am Main 2013, S. 190-202, hier S. 193, 200
- Bernd Vorlaeufer-Germer, Das Schicksal des Josef Schwarzschild aus Steinbach, in: http://www.arbeit-und-leben-hochtaunus.de/Das%20Schicksal%20des%20Josef%20Schwarzschild%20aus%20Steinbach.pdf, S. 5, 7f.
- Ulrike Winkler, Zwangsarbeit in evangelischen und diakonischen Krankenhäusern während des Zweiten Weltkrieges, in: Andreas Frewer, Günther Siedbürger (Hrsg.), Medizin und Zwangsarbeit im Nationalsozialismus. Einsatz und Behandlung von „Ausländern“ im Gesundheitswesen, Frankfurt am Main/New York 2004, S. 173 ff., hier S. 181
- DPWV-Nachrichten 5 (1955), H. 1, S. 5
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Hofacker, Johann Carl“, in: Hessische Biografie <https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/13671_hofacker-johann-carl> (aufgerufen am 15.04.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/bio/13671