Waldeck

Die Lage von Waldeck im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Stadt
Lagebezug
15,5 km südöstlich von Korbach
Lage und Verkehrslage
Stadt mit unregelhaftem, dem siedlungsungünstigen Gelände angepassten Grundriss auf einem westöstlich verlaufenden, steil abfallenden Höhenrücken am Nordostrand über dem Edersee. Auf dem höchsten westlichen Punkt, ca. 500 m von der Stadt entfernt, befindet sich - weithin sichtbar - das Schloss Waldeck, von dem die Stadtentwicklung ausging, die sich in einfacher Form mit geringer Siedlungsdichte entlang der Schlosstrasse nach Norden mit einer Abzweigung nach Osten entfaltet. Evangelische Kirche in zentraler Lage auf dem Marktplatz, katholische Kirche im Südosten (Bahnhofstrasse). Moderne Siedlungsausdehnung vor allem nach Nordosten bzw. Osten sowie im Südosten. Mit geringerer Siedlungsdichte auch im Westen und Nordwesten. Im Osten von Waldeck verläuft die über die L 3256 angebundene B 485 (Korbach-Bad Wildungen). Bahnhof (Bahnhof Waldeck) der Eisenbahnlinie Wabern - Bad Wildungen - Korbach seit 1911 (Teilstrecke Buhlen - Waldeck am 1. Mai 1911 eröffnet, Teilstrecke Waldeck - Korbach am 1. Juni 1912).
Ersterwähnung
1120
Siedlungsentwicklung
Die kleine Stadt Waldeck zur Versorgung und als Wohnplatz des Burgpersonals vorgesehen, verkehrsmäßig weitegehend isoliert, bot jedoch durch ihre Lage gute Verteidigungsmöglichkeiten. Von der Stadtmauer sind noch Reste an der Süd- und Südwestseite erhalten. 1459 wird im Westen das Burgtor erwähnt, im Norden befand sich das Drünger Tor, im Osten das Netzer Tor. Rathaus 1377
Historische Namensformen
- Waldekke, de (1120) [Regesta historiae Westfaliae 1, S. 446-447, Nr. 188]
- Waldegge, de (1140) [Kop. Regesten der Erzbischöfe von Köln 2, S. 66, Nr. 394]
- Waldekke, de (1189) [Regesten der Erzbischöfe von Köln 2, S. 267, Nr. 1338]
- Waltecke, de (1194) [Kop. Regesten der Erzbischöfe von Köln 2, S. 299, Nr. 1488]
- Waldeke, de (1195) [Kop. Regesten der Erzbischöfe von Köln 2, S. 301-302, Nr. 1496]
- Waldeke, de (1232) [HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 8760]
- Roden, in (1234) [HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 7940]
- Rode; opidum quod Rode dicitur ante castrum Waldek situm (1236) [HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 8761]
- Waldeche (1254) [Westfälisches Urkundenbuch 4,3, S. 330-331, Nr. 556]
- Waldeken, in (1254) [Westfälisches Urkundenbuch 4,3, S. 343, Nr. 589]
- Waldike, in (1254) [Westfälisches Urkundenbuch 4,3, S. 343, Nr. 590]
- Walhecke (1339) [HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 4134]
- Waldeck (1733) [HStAD Bestand P 23 Nr. 56]
Bezeichnung der Siedlung
- civitas (1232)
- villa (1234)
- oppidum (1236)
- castrum et oppidum (1254) [pauschale Bezeichnung zusammen mit Korbach und Goldenberg]
- universitas civium in Waldeken (1254)
- Sigillum oppidanorum in Waldike (1254)
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
- Bahnhof
- Berich
- Bericher Hütte
- Bodenhausen
- Breme
- Drünge
- Haus Wiesengrund
- Holzhausen
- In der Bach
- Jagdhütte
- Jägerheim
- Klippenberg, Am
- Mauserwerke
- Schadehaus
- Schaumburg
- Seeblick
- Steinbach
- Stollmühle
- Strandbad Waldeck
- Vornhagen
- Waldeck, Schloss (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
- Berich, Augustiner-Chorfrauenstift (→ Klöster)
Burgen und Befestigungen
Älteste Gemarkungskarte
vor 1854
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3504490, 5674621
UTM: 32 U 504414 5672791
WGS84: 51.206503° N, 9.063189° O
Statistik
Ortskennziffer
635021100
Flächennutzungsstatistik
- 1885 (Hektar): 1449, davon 606 Acker (= 41.82 %), 43 Wiesen (= 2.97 %), 721 Holzungen (= 49.76 %)
- 1961 (Hektar): 1485, davon 673 Wald
Einwohnerstatistik
- 1620: 65 Häuser
- 1650: 40 Häuser
- 1738: Häuser
- 1770: 60 Häuser, 431 Einwohner
- 1885: 476, davon 458 evangelisch (= 96.22 %), 3 katholisch (= 0.63 %), 6 andere Christen (= 1.26 %), 9 Juden (= 1.89 %)
- 1895: 469, davon 450 evangelisch (= 95.95 %), 2 katholisch (= 0.43 %), 8 andere Christen (= 1.71 %), 8 Juden (= 1.71 %)
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 1487: Grafschaft Waldeck, Amt Waldeck (zum Umfang s. Mittelpunktfunktion)
- 1712: Fürstentum Waldeck, Amt Waldeck
- 1755/1757: Fürstentum Waldeck,Stadt Waldeck
- bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Waldeck
- 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt der Eder (Sitz in Nieder-Wildungen)
- 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt der Werbe (Sitz in Sachsenhausen)
- 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis der Eder
- 1919-1929: Freistaat Waldeck, Kreis der Eder
- 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis der Eder
- 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
- 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg
Altkreis
Waldeck
Gemeindeentwicklung
Zur Entwicklung von Waldeck seit der hessischen Gebietsreform s. Stadtgemeinde Waldeck.
Gericht
- Hochgerichtsbarkeit bei den Grafen von Waldeck. Im 16. Jahrhundert niedere Gerichtsbarkeit noch bei der Stadt, seit dem 18. Jahrhundert jedoch auch diese beim gräflichen Stadtrichter.
- 1816: Oberjustizamt der Werbe
- 1850: Kreisgericht Wildungen
- 1868/69: Amtsgericht Wildungen
- 1879: Amtsgericht Niederwildungen
- 1906: Amtsgericht Bad Wildungen
Herrschaft
- 1232 bezeugt die universitas civitatis de Waldeke eine Urkunde Graf Adolfs I. für das Kloster Netze.
- In einem Vertrag mit den Bischöfen Otto von Münster und Simon von Paderborn von 1254 verspricht Graf Adolf von Waldeck seiner künftigen Gattin Ethellendis von Lippe die Hälfte der Herrschaft über die Burgen Waldeck und Goldenberg sowie die Hälfte der Stadt Korbach.
- Die waldeckische Stadt dient ursprünglich der Ansiedlung gräflicher Burgmannen und erlangt nur geringe Freiheiten bzw. Privilegien. Sie dient seit 1368 als Sitz eines Amtmannes.
- 1310 werden Schultheiß, Bürgermeister (proconsul) und Ratsleute (consules) und andere Bürger der Stadt Waldeck genannt (HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 10748).
- 1509 Stadtordnung durch die Grafen Heinrich und Philipp von Waldeck. U.a. Wahl des Bürgermeisters und fünf Ratsherren am Michaelistag, Bestätigung der Einkünfte des Stadtherrn, Recht, an einem Tag im Jahr Bier zu brauen, Verpflichtung zur Ausbesserung und Erhaltung der Stadtmauer, der Türme und eines Zauns. Erweiterte Ordnung 1520, Erneuerung 1559 (HStAM Bestand 115/04 Nr. Waldeck 34).
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- 1306 überträgt Ditmar Opolt sein Allod in der Stadt dem Grafen Heinrich IV. von Waldeck. Besitz in Waldeck haben im Spätmittelalter neben Kloster Netze einige Ritter und Knappen.
Zehntverhältnisse
1332 verkauft Conrad Spirinc den Zehnten in Waldeck an Kloster Netze
Kirche und Religion
Ortskirchen
- 1229: Kaplan (zur Burg gehörig)
- 1236: Kapelle
- 1317: bestellen Propst Bertold und der Konvent des Klosters Netze Walter zum Vikar der Stadtkirche von Waldeck, da der Propst dies Amt nicht mehr mit dem seinigen vereinigen könne
- 1339: Kirchhof
- Seit 1300 heute evangelische, zweischiffige gotische Hallenkirche errichet, um 1500 erneuert und vergrößert. Restaurierungen 1950-55 und 1988
- Katholische Kirche St. Maria Himmelfahrt 1952 konsekriert.
Patrozinien
- Pankratius [1339]
Pfarrzugehörigkeit
Im 13. Jahrhundert zu Kloster Netze gehörig. Der Propst bestellt den Burgkaplan zu seinem Vertreter und präsentiert fortan einen vicarius perpetuus der Stadtkirche. Anfang des 14. Jahrhunderts wird die Kirche in Waldeck allmählich als selbstständige Pfarrei angesehen. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kommt Buhlen als Filialort hinzu, zeitweilig auch Berich. 1877-1951 ist die Pfarrstelle Waldeck nicht besetzt und wird von Netze aus versehen. Vikariatsgemeinde ist Böhne, das bis 1975 zum Kirchspiel Bergheim gehört.
Patronat
Ursprünglich dem Kloster Netze quasi inkorporiert. Seit der Einführung der Reformation 1526 präsentieren die Grafen von Waldeck
Diakonische Einrichtungen
1953 - 1967 Schwesternstation (Landeskirchliches Archiv Kassel, E 1 Waldeck Pfarrarchiv Waldeck)
Bekenntniswechsel
Erster evangelischer Pfarrer: Johann Hefentreger 1526-1531, seine erste Predigt hielt er am 3. Sonntag nach Trinitatis (17.6.) 1526.
Kirchliche Mittelbehörden
1339: Bistum Paderborn
15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Peter zu Fritzlar, Erzpriestersprengel Bergheim
Juden
Im Ort gab es keine eigenständige jüdische Gemeinde, sie gehört zum Ort Sachsenhausen. Statistik: 1802: 2 Familien; 1826: 3 Familien (14 Personen); um 1900: 10; 1905: 8 Juden; 1925 sind keine Juden mehr im Ort gemeldet. Erstmalige Ansiedlung zweier jüdischer Familien vermutlich vor 1850. Friedhof in jüdischem Privatbesitz (Fam. Levy), älteste Belegung von 1832; gelegen an der Edertalsperre. Nur Angehörige der Fam. Levy dort beerdigt.
Kultur
Schulen
Einrichtung einer Schule im ehemaligen Hospital Ende des 16. Jahrhundert; Stadtschule vom 16. bis ins 19. Jahrhundert; dann Volksschule
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Historische Ereignisse
Fünf Stadtbrände zwischen 1656 und 1671
Wirtschaft
Mittelpunktfunktion
1487 umfasst das Amt Waldeck die Dörfer Affoldern, Mehlen, Kleinern, Böhne, Königshagen, Bergheim, Netze, Hemfurth, Gellershausen und Buhlen, 1625 werden Affoldern, Bergheim, Bringhausen, Buhlen, Gellershausen, Hemfurth, Kleinern, Königshagen, Mehlen, Netze und Niederwerbe sowie die Stadt Waldeck genannt. 1729 gehören noch die Stadt Sachsenhausen und die Dörfer Alraft und Oberwerbe, außerdem die Meiereien Berich, Vornhagen und Selbach dazu. 1736 Aufgliederung der Dörfer Bergheim und Königshagen, die fortan zusammen mit Wellen die Grafschaft Waldeck-Bergheim bilden.
Haupterwerbsquelle Landwirtschaft; 1682 werden 17 Handwerker genannt
Markt
18. Jahrhundert: 4 Jahrmärkte
Münze
1268 Münzer (monetarius) (Klosterarchive 5: Kloster Haina, Band 1, S. 271, Nr. 519)
Nachweise
Literatur
- Menk, Vom Burgmannensitz zur Stadt des Fremdenverkehrs
- 750 Jahre Stadt Waldeck
- Bau- und Kunstdenkmäler Kassel N.F. 4 (Kreis der Eder), S. 279-306
- E. Herzog, Artikel Waldeck, in: Hessisches Städtebuch, S. 430-431
- Bockshammer, Grafschaft Waldeck, S. 235-245
- Nebelsiek, Die evangelischen Geistlichen, in: Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont 35 (1935), S. 70
- Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen: Anfang, Untergang, Neubeginn, Bd. 2, S. 243f, S. 335f
- Berbüsse, Geschichte der Juden in Waldeck. Emanzipation und Antisemitismus vor 1900, S. 41
Weblinks
Siehe auch
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„Waldeck, Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/1295_waldeck> (aufgerufen am 10.06.2026)
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